Harald Seiz: Futures und die Auswirkungen auf die Gold-Märkte

Im ersten Teil unterhielten wir uns mit Harald Seiz über den Spot-Markt und nach welchen Kriterien die Preise dort reguliert werden. Im zweiten Teil unseres Gesprächs mit Harald Seiz beleuchten wir „Futures“ und die Auswirkung der Gold-Märkte auf das Massengeschäft.

Sich „Futures“ zunutze machen
Futures sind nicht nur für Händler viel zugänglicher als der Londoner Markt, sondern bieten auch eine weitere Funktion. Diese Funktion kann einen attraktiven Vorteil darstellen – in etwa im Verhältnis 20:1.

Harald Seiz erklärt, dass eine Börsen-Wette in Höhe von $ 10.230 Gold im Wert von etwa $ 200.000 beeinflussen kann. Wenn der Goldpreis um 1 Prozent auf $ 2.020 steigt, steigt der Wert eines Gold-Futures-Kontrakts um $ 20 x 100 Unzen = $ 2.000. Die $ 10.230 steigen also auf $ 12.230 oder etwa 20 Prozent, was ein ordentlicher Gewinn ist.

Um auf unser Beispiel zurückzukommen: Der Preis des COMEX-Terminkontrakts würde durch diese Käufe offensichtlich in die Höhe getrieben werden. Hier kommen die Arbitrageure ins Spiel. Sie können Spot-Gold in London kaufen und Gold-Futures verkaufen. Sie werden das so lange tun, bis die Spanne auf einen Prozentpunkt zusammenschrumpft.

Es ist aber auch möglich, dass der Preis eines Gold-Futures-Kontrakts unter den Preis von Spot-Gold fällt. Dies wird als “Depotgeschäft” bezeichnet, was  das Gegenteil des normalen Zustands ist, der “Kontango” genannt wird. Die Arbitrageure können diese Schieflage richten, indem sie Goldmetall verkaufen und Gold-Futures kaufen. Es kann aber sein, dass sie sich dagegen entscheiden, selbst wenn eine große Gewinnmitnahme möglich ist. Die Prolongation als Begleiter des Depotgeschäfts ist ein sehr gefährlicher Zustand.

Dieser Zustand ist gefährlich, weil es ja eigentlich ein risikofreier Handel sein soll. Sie verkaufen eine Metallstange und setzen 100 Prozent Bargeld ein, um in einen Terminkontrakt einzusteigen. Es kann keine Nachschussaufforderung geben. Alle starren wie gelähmt auf ihre Bildschirme und tun nichts. Das liegt daran, dass wirklich ein Risiko besteht. Das Risiko besteht darin, dass der Papiervertrag nicht erfüllt wird und Sie ihr Gold verlieren. Diese Befürchtung ist darin begründet, dass das Bankensystem zahlungsunfähig ist und dass es nicht liefern wird, weil es nicht kann.

Harald Seiz weist darauf hin, dass ein Depotgeschäft genau aus den benannten Gründen auch ein zuverlässiger Indikator für den Zusammenbruch des Dollars ist.

Wie sieht es bei Gold im Massengeschäft aus?

Die Spanne zwischen dem Einzelhandelspreis für Gold und dem Spotpreis ist im Vergleich zur Spanne zwischen Spot- und Terminmarkt deutlich volatiler. Dies liegt daran, dass die Produktionskapazität, insbesondere für die polierten Rohlinge, die für Münzen und geprägte kleine Riegel verwendet werden, mehr oder weniger festgelegt ist.
Es ist ein Alles-oder-nichts-Markt, meint Seiz, und niemand möchte in den Kauf von Spezialwerkzeugen investieren, um die vorübergehende Nachfrage zu bedienen, die zum Zeitpunkt des Eintreffens und Einrichtens der Maschinen nachlassen könnte. Wenn also die Nachfrage im Einzelhandel steigt, steigen auch die Prämien für diese Produkte. Anstatt beispielsweise 5 Prozent über dem Gold-Spot-Preis für eine 1-Unze-Gold-Eagle-Münzen zu zahlen, müssen Sie möglicherweise 10 Prozent zahlen und einige Wochen auf die Lieferung warten.

Harald Seiz ist aufgefallen, dass wenn die Prämien für Einzelhandelsprodukte in die Höhe schnellen, das natürlich jeder im Goldgeschäft sieht. Viele hämmern dann schnell ein paar Artikel über den Goldmangel auf dem Markt in ihre Tastaturen. Das ist legitim, denn es kann durchaus einen vorübergehenden Mangel an Goldprodukten für den Einzelhandel geben. Und ein bisschen Marktbeeinflussung durch PR muss auch dem Einzelhandel erlaubt sein. Dies muss jedoch keineswegs eine tatsächliche allgemeine Verknappung des Goldmarktes bedeuten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für verschiedene Goldformen auf verschiedenen Märkten unterschiedliche Preise gibt. Harald Seiz stellt jedoch klar, dass sie sich normalerweise recht nahe sind. Sie werden durch die Aktionen spezialisierter Akteure auf dem Markt auf einem Niveau gehalten.